Handwerk

Vom Schaf zur Gewandung

Schon seit der Antike ist die Verarbeitung von Schafswolle bekannt. Nach der Schur der Wolle (bei der das Schaf weder verletzt noch getötet wird!) wird die geschorene Rohwolle zunächst geschlagen und gewaschen. Nach dem Waschen muss man der Wolle allerdings wieder etwas Öl zugeben, um den beim Waschen verlorenen Teil des Wollfettes (Lanolin) zu ersetzten. Die gewaschene Wolle wird nun mittels zweier Karden „kardiert“. Hier werden die Fasern wieder in eine Richtung gekämmt. So vorbereitet kann das Kardenband, die kardierte Wolle, anschließend versponnen werden. Lange Zeit nutzte man hierzu die Handspindel, bei der die Wolle um einen Spindelstab gezogen wird. Dieser in Rotation versetzt verzwirnt bzw. spinnt dann die Wolle zu Garn. Je kleiner und leichter das Spindelgewicht, umso feiner wird das gesponnene Garn. Das Spinnen war im Mittelalter eine reine Frauenaufgabe und galt auch vor den Augen des Klerus als eine tugendhafte Tätigkeit. Im 14. Jahrhundert wird durch die Erfindung des Handspinnrades das Spinnen von Wolle revolutioniert. Musste man bisher beim Spinnen immer wieder unterbrechen um das Garn um die Spindel zu wickeln, blieb dies nun aus. Damit verdoppelte sich die Geschwindigkeit des Spinnens. Zunächst jedoch wurde der neuen Erfindung skeptisch entgegengeblickt und es wurden bei der Weiterverarbeitung des Garns nur die Kettfäden der Webstühle mit maschinell gesponnenem Garn aufgezogen. Die Schussfäden waren weiterhin handgesponnen. Bei der Weiterverarbeitung konnte das Garn zuvor selber gefärbt werden (-> Textilfärben im Mittelalter S. 6 ff). Dies hatte den Vorteil, dass man gemusterte Stoffe weben konnte. Da das Färben von Garn allerdings recht kompliziert ist, und beim Auffädeln des Webrahmens mehrere unterschiedliche Aufspannvorgänge von Nöten sind, war bunter, gemusterter Stoff erheblich teurer. Zum Weben wurde das Garn nun auf den Webrahmen aufgezogen. Hierbei unterscheidet man zwischen den Kettfäden, die auf dem Webrahmen aufgezogen werden und dem Schussfaden, mit dem gewebt wird. Zum Aufziehen auf einen typischen Webrahmen des 14. Jahrhundert benötigte man zwischen 1000 und 1800 30m lange Kettfäden. Diese wurden durch Lederschlaufen auf den Kettbaum aufgezogen und durch einen Zahnradmechanismus auf Spannung gehalten. Mittels des auf das Schiffchen aufgefädelten Schussfadens, der durch die Kammer geschossen wird, wurde dann gewebt, wobei ein Fußmechanismus die „Lade“ wechselte und immer jeweils der 2. Kettfaden hochgehoben wird, so dass nach jedem Wechsel des Schiffchens die anderen Fäden hochgehoben werden. Es gibt unterschiedliche Webmuster, die man durch das unterschiedliche Auffädeln und Heben und Senken der Lade mittels des Fußgeschübes erreichen kann. Die bekanntesten sind die Leinwandbindung Köperbindung wie z.B. Fischgrat.

Stand (22.04.2008)

Literaturliste

Handbuch der Naturfarbstoffe (H. Schweppe)
Nikol
Ein Buch von alten Farben (Ploss, E. E)
Impuls

Andere Quellen