Soziologie

Städtisches Leben im Spätmittelalter

1. Einführung

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Zeit des beginnenden Spätmittelalters, genau genommen mit dem Zeitrahmen von etwa 1300 bis 1335 n.Chr., kurz vor Ausbruch der ersten großen Pestwelle; alle Angaben beziehen sich, soweit nicht anders angegeben, auf das Gebiet des heutigen Deutschlands. Sie soll jedoch kein gewöhnlicher Abriss der Geschichte sein, sondern sich in erster Linie mit dem Alltag der Bürger Deutschlands beschäftigen; Dinge aufzeigen und dem Leser näher bringen, die in den meisten Geschichtsbüchern unerwähnt bleiben. Diese erzählen in der Regel nur von den Herrschaftsverhältnissen und Verwaltungsmerkmalen der damaligen Zeit. Das hat zur Folge, daß man sich nur schwerlich vorstellen kann, wie einem als unadeliger Mensch das Leben widerfahren hat. Dort setzt meine Arbeit an; schildert Lebensumstände, Berufswelt und Stellungen innerhalb der breiten Bevölkerung, wobei ich mich insbesondere auf das Bürgertum konzentrieren werde. Aus diesem Grund werden auch nur die nötigsten politischen und geschichtlichen Hintergründe zu Beginn angeschnitten; zusätzlich kläre ich im Vorfeld einige geläufige Vorurteile über die damalige Zeit.

2. Hintergründe

2.1. Politik und Wirtschaft

Die Kreuzzüge waren beendet, den seltener gewordenen Aufrufen folgten nur noch wenige. Dafür pilgerten nun zahlreiche Gläubige ins Heilige Land, was sich im religiös- politischen Bereich stark auswirkte. Um etwa 1337 sollte der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England ausbrechen, was sich bereits einige Jahre zuvor durch Erbstreitigkeiten ankündigte. An vielen Orten des nordeuropäischen Festlandes herrschte noch immer die Dreiständewirtschaft; jedoch begann dieses System zu schwanken. Es gab immer mehr Aufstände zwischen Bauern und Lehnsherren. Die Menschen wollten Unabhängigkeit und das Recht, eigenen Boden zu besitzen, von dessen Ertrag sie alleinig profitieren konnten. Zusätzlich ermöglichte die in der Mitte des 13. Jahrhunderts eingeführte Geldwirtschaft nun auch Unadeligen zu Reichtum zu gelangen. So schlich sich Schritt für Schritt eine Selbständigkeit in der Bevölkerung ein, auch wenn anfangs nur wenigen Erfolgreichen diese neue Freiheit vergönnt war. Der Handel entwickelte sich sowohl innerhalb des Landes als auch außerhalb mit östlichen Ländern weiter. Die Städte erhielten nach und nach das Selbstverwaltungsrecht, so daß neben dem feudalistischen Adelsstand nun auch das Bürgertum entstehen konnte.

2.2 Religion

Das Bindeglied zwischen Politik und Religion stellten die Ritterorden dar. Sie waren ins Leben gerufen worden, um die Christen, die seit der Einnahme Jerusalems 1099 mit Ende des Ersten Kreuzzugs vermehrt ins Heilige Land pilgerten, zu schützen. Der erste der Orden war der der Johanniter, ihm folgten bald darauf die Templer Heiligenikone und der Deutschritterorden. „Die Ordensmitglieder hatten nach Ablegung des Gelübdes der Keuschheit und der Armut gelobt, ihr Leben dem Kampfe gegen die Ungläubigen zu weihen.“ Zu der Zeit, der ich mich bei meiner Arbeit widme, waren die Templer bereits dem Untergang geweiht. 1307 wurde ihr Ordensgroßmeister hingerichtet. Nachdem praktisch alle Heiden entweder umgebracht oder zum Christentum bekehrt worden waren, stellte die römisch- katholische Kirche im mittelalterlichen Deutschland die einzige Religion dar, sieht man einmal von den wenigen Juden ab. Diese waren zwar toleriert, in manchen Städten in ihrem Dasein als Händler und Pfandleiher sogar angesehen, „sie hatten jedoch als Minderheit auch ihre Feinde“ 2. Mit der Zunahme des Handels nahm zwar einerseits ihr Wohlstand zu, andererseits zogen sie dadurch Neider förmlich an. Bereits damals waren jüdische Bewohner verpflichtet, sich mittels Spitzhut und gelbem Stofflicken auf der Kleidung für jeden kenntlich machen. So ist es nicht verwunderlich, daß das Volk sie häufig für Missernten und Krankheit verantwortlich machte und verfolgte. Eine weitere wichtige Stellung hatten die Klöster. In sie trat man als Mädchen bereits im Alter von 7 Jahren ein. Jungen folgten etwas später, und bekamen ein Jahr darauf mit dem abgelegten Gelübde die so genannte Tonsur. Dabei erhielten sie den typischen Haarschnitt, bei dem eine kreisrunde Stelle auf dem Kopf kahl geschoren wurde. Die Kirche hatte also großen Einfluss auf das damalige Leben, auch wenn ihre Anhänger wohl oft mehr Unterwürfige und Anpassende als Gläubige waren.

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