Soziologie

Die Küche im Mittelalter

Tafelrunden und edle Gewürze

"Er mokierte sich auch nicht wie seine Brüder über den täglich gereichten Brei. Diese rBrei war ein Tribut des Vaters an vergangene Zeiten. Eigentlich hätten sie statt Brei etwas mehr Fleisch auftischen können, aber der Brei gemahnte an jene schlechten Jahre, in denen die Familie in die unteren Schichten abzurutschen drohte, damalas, als das unglückselige Papier erfunden wurde ..."
Aus Trimalchios Fest, S. 24, G. Lübbe Verlag;

Die Speisen an den Tafeln der Herren und den Tischen des Volkes

In der Literatur finden sich immer wieder Abhandlungen über großartige Speisenfolgen, die aufgetischt wurden, um Gäste zu bewirten; dabei muss aber unterschieden werden zwischen dem, was als "Herrenspeisen" und "Bauernschmaus" bezeichnet werden kann. Als "Herren" wurden in diesem Zusammenhang Adlige, Landbesitzer, Menschen mit Verfügungsgewalt, Geistliche und Freie bezeichnet. Unter den Begriff "Bauern" fällt in diesem Zusammenhang jeder Arbeiter, der in Abhängigkeit war von seinem Lohnherren, Lehnsherren, auf dem Land arbeiten musste.

Als am Ende des 13. Jahrhunderts die Grenzen der Stände nach und nach durchlässig wurden, sind die Herren bestrebt, die Bauern an den heimischen Herd zu erinnern. Der Satiriker Helbling lässt es sich nicht nehmen, die Bauern, die von einer Herrenspeise naschen, mit einem katastrophalen Unwetter zu vergleichen:

"Den Bauern bestimmt man zur Speise 
Fleisch und Kraut und Gerstenbrei; 
ohne Wildbret sollten sie sein, 
am Fasttag Hanf, Linsen und Bohnen; 
Frisch in Öl sollten sie schon die Herren essen lassen, 
das war so Brauch. 
Nun essen sie mit den Herren 
alles, was man Gutes finden kann.
Das ist für das Land ein Hagelschlag."
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