Soziologie

Die Geschichte des Benediktinischen Ordens

Ordensgründung und Geschichte

1. Allgemeines

Die Grundlage für das gemeinsame Leben in Klöstern bildete das von Benedikt von Nursia (* um 480, U um 547) erstellte und von Benedikt von Aniane (gest. 821) ergänzte Gesetzbuch, das für alle Klostergemeinschaften Gültigkeit haben sollte. Zur Aufnahme in die benediktinische Lebensgemeinschaft hatten die Novizen die drei Gelübde der Beständigkeit (stabilitas loci), der klösterlichen Lebensführung (conversatio monastica) und des Gehorsams (oboedientia) abzulegen. Die Aufnahmeprozedur beinhaltete eine 4-5tägige Prüfung im Gästehaus, eine 1 jährige Wartefrist in den Novizenzellen unter Aufsicht, in deren Verlauf mehrfach die Ordensregeln durchgenommen wurden und schließlich die zeitliche Profess, nach deren Abschluss die entgültige Profess kam.

Die Hochzeit des Benediktinischen Ordens liegt zwischen dem 6. Jh., in dem durch Papst Gregor I (590 - 604) die Alleinbefolgung der benediktinischen Regel angeordnet wurde, und dem 13.Jh.. Mit dem Aufkommen der Bettelorden nimmt seine Bedeutung stark ab. Als bedeutendste Abspaltung des Benediktinischen Ordens gilt der Orden der Zisterzienser, deren Neuerungen (wie z.B. regelmäßige Visitationen) und strengere Regelungen schließlich auch Einfluss auf Klöster alter benediktinscher Prägung nahmen. Der Benediktinische Orden zeigte - anders als z.B. die Bettelorden - stets eine feudale Prägung mit z.T. großen und weitflächig verteilten Landgütern. Neben den Schenkungen, die als „Mitgift“ von neuen Brüdern mit in die Abtei gebracht wurden, mehrte sich der Landbesitz eines Klosters vor allem durch Schenkungen, weniger durch Aufkäufe. Viele Adlige nahmen die Pflege und Obhut benediktinischer Gemeinschaften in Anspruch, wenn sie ihre Zeit gekommen sahen und noch etwas für ihr Seelenheil tun wollten. Als Gegenleistung überschrieben sie Ländereien und Rechte zugunsten der jeweiligen Abteien. Insofern diese Besitztümer weitab lagen, wurden sie von speziell freigestellten Brüdern in eigenen Häusern (Grangien) versehen.

Die seelsorgerischen und milden Tätigkeiten, wie z.B. bei den Prämonstratensern, Franziskanern und Dominikanern, gehörten im benediktinischen Selbstverständnis des Hochmittelalters nicht zu den primären Aufgaben des Ordens. Benediktiner verstanden sich in dieser Zeit mehr als „Soldaten Gottes“, die auf ihre Weise durch Gebete und Messen für das Heil stritten. So wurde z.B. jedes Wort, das ein Mönch schrieb, als ein Schlag gegen das Verderben verstanden. Darüber hinaus stellten viele Abteien durch ihre hohe Anzahl an Dienstleuten bei Bedarf auch ein reales Heer zur Verfügung, das entweder vom Abt selber oder aber durch Beauftragte ins Feld geführt werden konnte. Von der Urkonzeption her war die Verantwortung für die Menschen, die in der direkten Klosterumgebung wohnten, aber durchaus vorgesehen.

Ebenfalls im Ursprung kein primäres Ziel des Ordens war die geplante Ansiedlung von Menschen, anders als z.B. der Orden der Zisterzienser, der Musterhöfe zur Anschauung der Bevölkerung führte. Da benediktinische Klöster prinzipiell auf Selbstversorgung angelegt waren, bestand eigentlich keine Notwendigkeit, auf Handelsgüter zurückzugreifen. Mit der immer stärkeren Aufteilung der Klosterinsassen in Priestermönche, Laienbrüder und Handwerker, was den Priestermönchen mehr Zeit für Chorgesang, Studium und Kopieren von Schriften gab, die tägliche Arbeit aber in die Hände von Laienbrüdern und Handwerkern legte, wurden die Klöster aber mehr und mehr von der Zuarbeit der sie umgebenden Siedlungen abhängig.

2. Benedikt von Nursia

chon vor seinem Wirken hatte sich das Mönchtum mit seinen Zielen der äußeren Loslösung von der Welt, regelmäßigen Psalmengebeten und Fastentum verbreitet. Neben den hochgesteckten Zielen waren aber auch Schattenseiten zu erkennen, die von einzelnen Mönchen kaum bewältigt werden konnten. Vom Leben des Hl. Benedikt gibt es hauptsächlich Aufzeichnungen von Papst Gregor I (auch „Der Große“ genannt). Laut dieser Aufzeichnungen entstammt der ca. um das Jahr 480 geborene Benedikt einer angesehenen Familie mit Sitz in Norcia (Nursia) in der Provinz Valeria/Apennin. Seine Eltern gehörten vermutlich zum dortigen Landadel und waren so gebildet und wohlhabend, dass es ihnen möglich war, Benedikt zum Studium nach Rom zu geben. Sein Verbleiben in Rom war nur von kurzer Dauer, mit dem Jahr 498, dem Jahr einer Doppelwahl des römischen Bischofs und den damit verbundenen bürgerkriegsähnlichen Zuständen, brach er seine Ausbildung abrupt ab. Dieser Bruch spiegelt sich in der deutlichen Unterrepräsentierung von wissenschaftlichen Studien und Anerkennung alter Autoren in seinen Ordensregeln wider.

 Seite 1 von 5 Seiten >>